Sg. Leser

Flos­keln sind wie Krawat­ten. Niemand braucht sie, aber fast jeder gebraucht sie. Sie gehö­ren zum “guten Umgangs­ton”, sollen den Benut­zer aber auch als kompe­tent und viel­leicht sogar modern hinstel­len. Deshalb halten auch immer mehr Begriffe aus dem Engli­schen in unsere Spra­che Einzug (nein, ich meine nicht “Berlin Street”). Seit mehre­ren Jahren sagen viele, etwas ist “in 2018” geplant, statt einfach nur “2018”, wie es bisher war. Offen­bar wurde diese Flos­kel modern, weil sie aus den USA stammt. Vor allem in der Geschäfts­welt werden immer mehr engli­sche Begriffe genutzt, da wird das Büro zum Office, die Ausla­ge­rung ausges­our­cet, während sich das Ange­bot zum Port­fo­lio wandelt.

Aber es ist nicht nur dieses Deng­lisch, das mich nervt, sondern auch die vielen leeren Flos­keln. Vor eini­gen Mona­ten beschwerte sich ein Kunde, dass ich ihn in einer E‑Mail mit “Hallo…” ange­spro­chen und mit “Tschüss” verab­schie­det habe. Das wäre doch unhöf­lich. Aber ist es wirk­lich so? Es war jeden­falls nicht so gemeint, denn dann hätte ich gar keine Anrede benutzt.
Selbst mir unbe­kannte Leute grüßen mich in E‑Mails oder Brie­fen manch­mal mit “Lieber…”, auch eine Über­nahme aus dem ameri­ka­ni­schen “Dear…”

Viel unhöf­li­cher ist es doch, jeman­den bewusst zu belü­gen, vor allem wenn er das genau weiß. Die Anrede “Sehr geehr­ter…” ist doch meis­tens unehr­lich, denn in den seltens­ten Fällen ehre ich meine Adres­sa­ten sehr. Diese “Ehre” ist genauso wie die Anspra­che “Verehr­tes Publi­kum” — dabei kann man doch nieman­den vereh­ren, von dem man gar nichts weiß.

Dage­gen ist das “Sg.” selbst am Anfang von Behör­den­brie­fen nur noch eine Frech­heit. Mit dieser Abkür­zung für “Sehr geehrte…” kann man kaum deut­li­cher ausdrü­cken, dass genau das Gegen­teil stimmt.

Mag sein, dass die Verab­schie­dung in Brie­fen “mit freund­li­chen Grüßen” tatsäch­lich so gemeint ist. In E‑Mails jedoch liest man statt­des­sen oft “MfG”. Wer meint, dass sich dahin­ter wirk­lich ein freund­li­cher Gruß verbirgt, ist eine eher leicht­gläu­bige Figur. Da lobe ich mir doch den Abschieds­satz: “Dieses Schrei­ben wurde maschi­nell erstellt und ist auch ohne Unter­schrift gültig”.

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