Moabit: Antisemitische Zerstörungen

Seit die Hamas im Oktober 2023 ein Massaker unter Israelis angerichtet hat, wurden Juden auch in Berlin immer wieder Opfer von Hetze, Bedrohungen und Angriffen. Dass viele Israelis aufgrund der politischen Ausrichtung ihrer Regierung das Land verlassen haben, interessiert die Täter nicht. Es geht ihnen offensichtlich um die Bekämpfung des Judentums, also um puren Antisemitismus.

Dies musste auch der Moabiter Verein Sie waren Nachbarn erfahren, der seit 2011 an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus ihrem Stadtteil erinnert. Im Frühjahr vergangenen Jahres hat die Gruppe mit einer neuen Aktion begonnen. Diese sollte an die „Verschwundenen“ erinnern. Also an die jüdischen Menschen, die während der NS-Zeit aus der Nachbarschaft und meist auch dem Bewusstsein der nicht-jüdischen Deutschen verschwunden sind. Sei es, weil sie im Holocaust ermordet wurden, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen konnten, weil sie sich versteckten oder Suizid begangen haben. Sie waren eben „weg“ und jeder wusste, dass dies nicht freiwillig geschehen war.

Die Aktion Die Verschwundenen bestand darin, überall in Moabit lebensgroße Aufsteller aus Kunststoff anzubringen, die schwarze Silhouette eines Menschen. Symbolisch für jemanden, der nicht mehr da ist.
Von Anfang an wurden diese Aufsteller von Unbekannten beschmiert, zerstört oder entwendet. Der Verein brach daraufhin die Aktion vorläufig ab. Vor drei Monaten gab es nun einen erneuten Anlauf: An rund 50 Stellen in Moabit begegnete man seitdem wieder diesen Schatten, vor allem an Hauswänden und Zäunen. Wer näher tritt, kann dort einen erklärenden Text lesen und wird auf die Website der Aktion verwiesen: www.DieVerschwundenen.de

Etwa 200 Arbeitsstunden wurden in die Produktion, Aufstellung und Wiederherstellung der Silhouetten investiert, dazu sehr viel Geld. Doch auch in diesem Jahr geben die Judenfeinde keine Ruhe: Etliche der Aufsteller wurden wieder mit Parolen beschmiert oder mit Anti-Israel-Stickern beklebt. Unklar, ob die Taten von Islamisten, Rechts- oder Linksextremisten verübt werden. Auch mit Aufklebern angeblicher Antifaschisten wurden die Silhouetten verunstaltet.

Viele der Figuren wurden zerstört oder gestohlen. Die Mitglieder des Vereins kommen kaum hinterher, sie zu reparieren oder neu aufzustellen. Zitat eines Vereinsmitglieds: „Im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten versuchen wir sie wieder zu reparieren, die Aufkleber zu entfernen oder gar gestohlene durch neue Figuren zu ersetzen. Wir dokumentieren das Ganze mit Fotos und werden beim RIAS einen Bericht abliefern.“

Alle Beschädigungen bei der Polizei anzuzeigen, würde den Rahmen sprengen. So bleibt den Aktivisten nur die Option, im Rahmen ihrer Kräfte dagegen anzugehen. Als Zeichen gegen den damaligen und heutigen Antisemitismus. Und damit die Verschwundenen von damals nicht erneut vergessen werden.

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