Das Jahr 1900

Mit diesem Text beginnt eine neue Serie, die das 20. Jahrhundert beleuchtet – jede Woche ein neues Jahr.

Im Jahr 1900 begann das 20. Jahrhundert und das war für viele Menschen wie ein Aufbruch in eine neue Zeit. Seit der Reichsgründung 1871 hatte sich die Einwohnerzahl von 826.000 auf 1.888.000 Einwohner mehr als verdoppelt.
Vor allem im Norden und Osten der Stadt, was heute Mitte, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg entspricht, lebten die Armen. Meist in dunklen Hinterhöfen, ganze Familien in einem Zimmer, nicht selten im Kellergeschoss. Oft mussten sich 30, 40 Personen eine Toilette teilen.

Gehasst von Kaiser Wilhelm zwo hatte sich in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts eine Partei gegründet, die gegen die Armut und für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter eintrat. Die Sozialdemokraten, angeführt von August Bebel und Wilhelm Liebknecht, wurden immer stärker.
Als Wilhelm Liebknecht starb, führte der Trauerzug am 12. August 1900 ganze fünf Stunden bis zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Rund 250.000 Menschen erwiesen ihm an der Strecke die Ehre. Andere Quellen sprechen sogar von einer halben Million. Nach Liebknechts Beerdigung erhielt der Ort den Namen Sozialisten-Friedhof. Später werden zahlreiche weitere Sozialisten und DDR-Politiker hier beerdigt. Und auch Liebknechts Sohn Karl fand dort 1915 nach seiner Ermordung die letzte Ruhe.

Bereits im Frühjahr wurde am 31. März am Engelufer (heute Engeldamm) in Mitte das Berliner Gewerkschaftshaus eröffnet. Es war das erste Gewerkschaftshaus in Deutschland, beherbergte 92 Einzelgewerkschaften, inklusive sozialer Einrichtungen wie Küche und Arbeitsnachweis.

Was sonst noch geschah:

Heinrich Manns Roman Im Schlaraffenland erschien. Darin wurde die selbsternannte „bessere Gesellschaft“ der Stadt sowie die Schriftstellerszene und Künstlerbohème verspottet.

19. Januar 1900
Das Berliner Patentamt erteilte Carl Benz ein Patent für den von ihm entwickelten Motorwagen.

13. März 1900
Zwischen dem Anhalter und dem Stettiner Bahnhof begann der fahrplanmäßige Probebetrieb mit elektrischen Omnibussen. Aufgrund zahlreicher technischer Probleme wurde der Betrieb jedoch nach neun Monaten wieder gestoppt.

13. Juli 1900
Der erste elektrische S‑Bahnzug fuhr auf der Strecke zwischen dem Potsdamer Platz und Zehlendorf.

10. August 1900
Die letzte mit Dampf betriebene Straßenbahn wurde außer Betrieb genommen.

26. September 1900
Oskar Tietz eröffnete in der Leipziger Straße sein erstes Berliner Warenhaus.

1. Oktober 1900
Die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Rixdorf und Schöneberg wurden zum Landespolizeibezirk zusammengefasst. Die Verwaltung dieser eigenständigen Städte in Groß-Berlin wurde jedoch erst 20 Jahre vollzogen.

4. Oktober 1900
Bei einer Verkehrszählung am Potsdamer Platz wurden zwischen 6 und 22 Uhr rund 146.000 Fußgänger und 27.000 Fahrzeuge bzw. Fuhrwerke gezählt. Darunter mehr als 4.800 Straßenbahnen.

17. Oktober 1900
Bernhard Heinrich von Bülow (später Fürst von Bülow) wurde Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident.

30. November 1900
Mit der Adler-Windmühle an der Prenzlauer Allee brannte die letzte Mühle im Norden der Stadt ab.

22. Dezember 1900
Baubeginn für den Teltowkanal.

29. Dezember 1900
Die Tageszeitung Der Tag erschien erstmals.



print

Zufallstreffer

Weblog

Ausländerfeindlich?

Ist es ausländerfeindlich, wenn man Kritik am Verhalten bestimmter Leute übt, und diese nun mal Türken oder Araber sind? Zum Beispiel, weil manche von denen meinen, andere mit Gewalt einschüchtern zu können? Tatsache ist doch, […]

Schreibe den ersten Kommentar

Hier kannst Du kommentieren

Deine Mailadresse ist nicht offen sichtbar.


*