Die Berliner Stadtrohrpost

Berlin war einst die Welthauptstadt der Rohrpost. Über ein Jahrhundert lang rasten Eilbriefe und Telegramme in silbernen Kapseln unter dem Asphalt der Stadt hindurch – ein faszinierendes Stück Technikgeschichte, das heute fast vollständig verschwunden ist.

Rohrpostnetz 1921

Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs Berlin rasant und die Straßen waren hoffnungslos verstopft. Briefboten brauchten lange, um Nachrichten zuzustellen. Die Lösung kam am 18. November 1865: Die Firma Siemens & Halske nahm die erste Rohrpostlinie zwischen dem Generaltelegraphenamt (Französische Straße) und der Börse (nahe dem Hackeschen Markt) in Betrieb. Ursprünglich war sie nur für Telegramme gedacht, um diese schneller zu den Verteilzentren zu bringen. 1916 öffnete das Haupttelegraphenamt in der Oranienburger Straße.

In ihrer Blütezeit vor dem Zweiten Weltkrieg war die Berliner Stadtrohrpost ein technisches Wunderwerk: Das Netz erstreckte sich über fast 400 Kilometer. Rund 100 Postämter waren an das System angeschlossen. Die Kapseln wurden mit Druckluft (oder Sog) durch gusseiserne Rohre geschossen und erreichten Geschwindigkeiten von ca. 35 bis 50 km/h.
In Spitzenzeiten wurden jährlich Millionen von Sendungen verschickt – oft war ein Brief innerhalb von einer Stunde beim Empfänger.

Nach 1945 wurde das Netz durch die politische Spaltung der Stadt zerrissen. Ab 1949 gab es zwei separate Systeme.
In West-Berlin: Hier wurde der öffentliche Betrieb bereits 1963 weitgehend eingestellt, da Telefon und Fernschreiber effizienter wurden. Intern nutzte die Post das System noch bis 1972.
Ost-Berlin: In der DDR hielt man länger an der Technik fest. Das System im Osten blieb bis 1976 in Betrieb.

Die Rohrpost galt als absolut abhörsicher. Während Telefonleitungen angezapft werden konnten, war es physisch fast unmöglich, eine rasende Kapsel im Untergrund unbemerkt abzufangen.

Heute gibt es noch einige funktionierende, interne Rohrpostanlagen. Unter anderem in der Charité Mitte sowie dem Virchow-Krankenhaus im Wedding für den Transport von Blutproben und Dokumenten. Im Museum für Kommunikation existiert zudem ein original erhaltener Rohrpost-Maschinenraum (Keller des ehem. Postamts W 66), der im Rahmen von Sonderführungen besichtigt werden kann.

Foto: Postmarke02

Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
print

Zufallstreffer

Weblog

Schein heil!

Warum regen sich denn jetzt in der Politik alle so auf, dass der Chef der Post AG Klaus Zumwinkel dem Finanzamt wahrscheinlich eine Million Euro unterschlagen hat? Als ob das etwas ungewöhnliches wäre. Originaltöne von […]

Schreibe den ersten Kommentar

Hier kannst Du kommentieren

Deine Mailadresse ist nicht offen sichtbar.


*