Ortsteil: Buch

Buch ist der nördlichste Ortsteil Berlins und der einzige, der sogar außerhalb des Berliner Autobahnrings liegt. Er gehört zum Bezirk Pankow und war bereits vor rund 2.500 Jahren besiedelt. Seinen Namen hat das einstige Dorf vermutlich vom slawischen buk (Buche). Ein Baum, dem man hier bis heute noch oft begegnet.

Im Ortskern ein großer Supermarkt und eine Reihe von Geschäften in der Fußgängerzone, zwischen dem S-Bahnhof und einer Plattenbausiedlung aus den 1980er Jahren. Bis 1976 standen an der Straße Alt-Buch noch Bauernhöfe, die leider den Neubauten weichen mussten. Übrig blieb das Stadtgut, das heute kulturell und gastronomisch genutzt wird. Was es in Buch allerdings nicht gibt: Einen Buchladen.

Durch Buch fließt von Bernau aus kommend die Panke nach Berlin. Sie windet sich größtenteils noch in ihrem ursprünglichen Bett quer durch den Schlosspark, einer schönen Anlage, zu der es jedoch kein Schloss mehr gibt. Dafür aber eine schön sanierte Schlosskirche. Wesentlich älter ist der Park, er wurde bereits vor über 400 Jahren angelegt. Zu Buch gehören zudem auch mehrere Waldgebiete, eine Moorlinse, einfach viel Natur, zu Fuß nur wenige Minuten vom S-Bahnhof entfernt.

Dominiert wird Buch von seiner Geschichte als Krankenhausstadt. Schon vor über hundert Jahren entstanden hier zahlreiche Krankenanstalten, die eine völlig eigene Geschichte entwickelten. Einst war es die größte Krankenhausstadt Europas und noch heute befinden sich hier mehrere Gesundheitseinrichtungen. Darunter das große Helios-Klinikum, das eingebettet ist im alten Krankenhauspark, in dem viele Gebäude von Ludwig Hoffmann stehen. In Buch befanden sich die meisten Heil- und Pflegeanstalten Berlins, mit speziellen Einrichtungen wie der Lungenklinik Heimstätte für männliche Brustkranke, der Städtischen Irrenanstalt. Genesungsheime, das Haus für unruhige Kranke oder das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung. Zahlreiche Pavillonbauten existieren noch. Teilweise wurden die Kliniken in den vergangenen Jahrzehnten zu Wohnvierteln umgebaut, so gibt es z.B. das „Ludwig-Hoffmann-Quartier“ sowie den „Ludwig-Park“ auf dem Gelände der einstigen Alte-Leute-Heime.

Während der NS-Zeit war die Heil- und Pflegeanstalt Buch der zentrale Ort der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde im Berliner Raum. Patienten mit psychischen Erkrankungen wurden zwangssterilisiert, es wurde an und mit ihnen experimentiert, viele wurden verschleppt und getötet. An die Opfer erinnert heute ein überdimensionales Kissen, in das die Vornamen von Opfern eingraviert wurden.

Zwei spezielle Einrichtungen liegen etwas versteckt hinter den Bäumen an der Hobrechtsfelder Chaussee. Dort wurden 1976 das DDR-Regierungs-Krankenhaus sowie 1980 die Klinik des Ministeriums für Staatssicherheit in Betrieb genommen. Beides waren große und sehr modern ausgestattete Krankenhäuser, die jedoch der normalen Bevölkerung nicht zur Verfügung standen. Dies änderte sich 1990 mit dem Zusammenbruch der DDR. Damals wurden beide Einrichtungen vorübergehend öffentlich weitergeführt. Mit der Eröffnung des großen Neubaus auf dem Gelände des Helios-Krankenhauses 2007 sind das einstige Regierungs- und das Stasi-Krankenhaus geschlossen worden und stehen seitdem leer.

Nach Buch kommt man eigentlich relativ schnell mit der S-Bahn. Leider aber fällt die S2 oft tagelang aus und dann quält sich der Ersatzbus über mehrere Dörfer bis nach Buch. Trotzdem lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Denn wie sagte schon Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg über Buch: „Hier ist es gut sein“.

[ Berlin und seine Ortsteile ]

Foto: Angela M. Arnold, Berlin

Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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