Weniger Autoverkehr in Berlin
Noch vor einigen Wochen konnte man in den Zeitungen lesen, dass Berlin in ein paar Jahren der Verkehrskollaps droht, der Kraftfahrzeugverkehr sollte um 20 Prozent steigen. Neuste Zahlen zeigen aber, dass der Trend genau in die andere Richtung geht: Statt immer mehr sind in Wirklichkeit immer weniger Autos auf den Hauptstadtstraßen unterwegs. Die Gründe dafür sind eher trauriger Natur: Die steigende Arbeitslosigkeit zwingt immer mehr Menschen, weniger Wege mit ihrem Auto zurückzulegen oder sogar ganz auf ihr Fahrzeug zu verzichten. Im Vergleich zu 2002 gibt es heute in Berlin 21.000 PKWs weniger.
Aufgrund jetzt veröffentlichter Zahlen kann man die Entwicklung einzelner Hauptverkehrsstraßen nachvollziehen. Danach sank seit 1998 die Anzahl der Autos auf der Danziger Straße von täglich 38.000 auf 32.000, auf der Straße des 17. Juni von 55.200 auf 50.600 und auf dem östlichen Spandauer Damm von 40.400 auf 34.700.
Experten geben klar die wachsende Armut in der Stadt als Grund für den Rückgang des Autoverkehrs an. Dabei ist Berlin im Bundesdurchschnitt sowieso schon recht gering motorisiert: Hier kommen auf tausend Einwohner 322 Autos, in München oder Hamburg dagegen zwischen 500 und 600.
Dass mehr Menschen ohne Not vom Auto auf die BVG umgestiegen sind, ist nicht zu vermuten. Deren Angebot wurde in den vergangenen Jahren eingeschränkt, dafür stiegen die Fahrpreise kontinuierlich. Insofern hat die erfreuliche Entwicklung einen bitteren Beigeschmack.
Von: Aro Kuhrt
(27. Dezember 2005)
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