Sind die etwa besser?
Seit einigen Jahren kann man nicht mehr durch die Stadt gehen, ohne ständig auf diese riesigen Werbeplakate zu stoßen, die über mehrere Etagen ganze Häuserfronten verdecken. Meist werden sie außen an Baugerüsten angebracht, wenn ein Haus renoviert wird. Da glotzen einen auf 20 mal 20 Metern riesige Babys an, unnatürlich geglättete Frauengesichter oder Autofronten. Oder das neue Shampoo wird beworben, in der neuen XXXXXXXXXXXXL-großen Plattenhaussiedlungs-Packung.
Der überall aufgehängten Reklame kann man eh schon kaum entkommen, Plakate, halb so groß wie Doppeldeckerbusse, verschandeln ja schon seit Jahrzehnten unsere Stadt. Auffallen um jeden Preis, das ist das Motto, am Kudamm-Eck wird man nachts von der elektronischen Werbetafel geblendet, und mittlerweile von Dutzenden sogenannter Riesenposter. Wenn ich mich recht erinnere, hatte damit vor ca. fünf Jahren ausgerechnet die Kirche angefangen. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wickelte ihren Neubauturm ein, in Form eines Lippenstiftes oder sowas. Mit den Werbeeinnahmen wurde die Renovierung der Kirche bezahlt.
Ich finde diese Riesenteile zum Kotzen. Die »normalen« Werbeplakate kann man ja noch etwas ausblenden, aber die großen nicht, die knallen sich in brutaler Hässlichkeit in unser Bewusstsein. Gleichzeitig läuft noch die Kampagne gegen die Graffitysprüher, die kriminalisiert werden, obwohl sie nichts anderes machen, als die Reklamerambos: Sie zwingen uns visuell ihren Scheißhaufen auf. Sicher, dafür bekommen die Hausbesitzer kein Geld und deshalb ist diese Form der Werbung illegal. Aber Graffitys sind wie Riesenposter eine Form der optischen Körperverletzung, sie verschandeln unseren Lebensraum. Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen, gerade die so beworbenen Produkte auf keinen Fall zu kaufen. Als stummen Protest.
Von: Aro Kuhrt
(8. Dezember 2006)
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