Tränenpalast am Ende
Die erste Geschichte des Tränenpalastes begann 1962. Nach dem Mauerbau wurde der Bahnhof Friedrichstraße zu einem Grenzübergang ausgebaut, für die Ausreise aus der DDR errichtete man eine große, gläserne Abfertigungshalle. Wegen der vielen traurigen und tränenreichen Abschiedsszenen erhielt die Halle bald den Namen »Tränenpalast«.
Die zweite Geschichte folgte im Jahr 1991, als Marcus Herold das Gebäude übernahm und zu einem der beliebtesten Veranstaltungsorte Berlins ausbaute.
Unzähliche Konzerte, Discos, Ausstellungen, Info- und Diskussionsveranstaltungen fanden in den vergangenen 15 Jahren hier statt. Und dabei war der Tränenpalast einer der wenigen Orte, die ohne Subventionierung durch den Senat auskamen.
Diese Geschichte endet jetzt. Der Berliner Senat hat das Grundstück an einen Investor verkauft, hier soll ein Bürogebäude entstehen, das ja gerade in dieser Gegend so dringend gebraucht wird. Der Tränenpalast wird verschwinden. Offiziell will der neue Grundstückseigentümer und Investor zwar weiterhin einen Veranstaltungsort in diesem Haus, aber glauben tut das kaum noch jemand. Zumal nicht mal sicher ist, ob das Gebäude, das immerhin denkmalgeschützt ist, überhaupt stehen bleibt.
Damit kommt wieder mal ein Kapitel Berliner Kulturgeschichte zu einem unrühmlichen Ende. Und wieder mal ist der PDS-Senator Thomas Flierl involviert: Er hatte dem Betreiber des Tränenpalastes eine Unterstützung versagt und damit die Übernahme durch den Investor ermöglicht. Ob dies die Aufgabe eines Kultursenators ist, ist zu bezweifeln. Aber der finanziert lieber Projekte, die sowieso bereits Senatsförderungen erhalten, wie z.B. die Kulturbrauerei.
Das Ende des Tränenpalastes ist der Beweis, dass auch unter einer rot-roten Regierung diejenigen gewinnen, die Geld haben. Den anderen fressen die Hunde.
Von: Aro Kuhrt
(13. Juli 2006)
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