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Hildebrandts Urne bleibt im Regal

Nachdem der Gründer des Museums am Checkpoint Charlie, Rainer Hildebrandt, am 9. Januar 2004 starb, liegt seine Witwe Alexandra mit dem Berliner Senat im Streit. Sie möchte den Willen ihren Mannes erfüllen, auf dem Friedhof in der Wilsnacker Straße in Moabit neben seinem Freund Albrecht Haushofer beerdigt zu werden. Der Dichter Haushofer war als Widerstandkämpfer noch in den letzten Tages des NS-Regimes zusammen mit anderen Nazigegnern ermordet worden.

Der Senat weigert sich jedoch, die Urne dort beizusetzen, da der Friedhof seit 1952 für Begräbnisse geschlossen ist. Anders als auf anderen Friedhöfen werden die Gräber hier jedoch nicht nach 20 Jahren eingeebnet, da es sich um Opfer des Faschismus handelt, denen an diesem Ort gedacht werden soll.
Da sich Alexandra Hildebrandt weigert, ihren Mann gegen dessen Willen woanders beerdigen zu lassen, steht seine Urne nun seit 2 1/2 Jahren in einem Regal im Krematorium Ruhleben. Mittlerweile gibt es zahlreiche Kritik an den starren Haltung des Senats, aber auch an der von Frau Hildebrandt. Beide haben sowieso ein recht gespanntes Verhältnis, was vor allem darauf zurückgeht, dass sich Frau Hildebrandt mehrere Male nicht an Absprachen gehalten hat, z.B. beim Abhängen von großen Hinweistafeln am Finanzministerium oder bei der Beseitigung von tausend Mauerkreuzen am Checkpoint Charlie.
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der für das Ruhlebener Krematorium zuständig ist in dem die Urne steht, ist jetzt von seiner Drohung abgerückt, die Urne in einem anonymen Grab beizusetzen. Auch Politiker mehrerer Parteien bemühen sich um eine Lösung des Problems. So könnte am Grab Haushofers z.B. eine Gedenktafel für Hildebrandt errichtet, er selber aber auf einem anderen Friedhof beerdigt werden. Doch eine gütliche Einigung setzt voraus, dass sich Frau Hildebrandt sowie der Senat von ihren starrköpfigem Verhalten verabschieden.


Von: Aro Kuhrt

(3. Juli 2006)

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KOMMENTARE:

  1. Grünheid am 25. Juli 2006 um 02:31 Uhr

    Ich sehe das so: Der Senat hat sich richtig verhalten.
    Die öffentlich strittigen Auftritte der Witwe Alexandra Hildebrandt in dieser und anderen Angelegenheiten sind unerträglich und normal ist das m. E. nicht.
    Die emotionalen Grenzen der Kinder von Rainer Hildebrandt, Familienmitgliedern, Freunde und Bekannten sind längst überschritten.
    Freundliche Grüße
    Heidemarie F. C. Grünheid

  2. Christian A. J. Gommert am 3. August 2006 um 02:24 Uhr

    Unerträglich ist die Haltung des Senats. Mir ist Frau Hildebrandt auch nicht sympathisch, aber dass der letzte und leicht zu erfüllende Wunsch des Verstorbenen aus rein bürokratischen Gründen boykottiert wird – nun, es scheint eine politische Frage zu sein. Dass dieser Senat, der nur widerwillig einige noch vorhandene Teile der Mauer unter Denkmalschutz gestellt hat, andere kalt abgeräumt hat, bevor sie unter Schutz gestellt werden konnten, eventuell (Nordbahnhof) Elemente abräumen will, die schon als Denkmal klassifiziert sind, und der nun zum Thema Mauergedenken auf Zeit spielt, einerseits das wichtige und vor allem von ausländischen Besuchern sehr geschätzte Denkmal der tausend Kreuze unter formalen Vorwänden entfernen ließ (was wurde denn inzwischen dort gebaut?) und nun ebenso formal noch der Asche des Freiheitskämpfers Rainer Hildebrandt den Weg ins Grab verwehrt… Man glaubt das Rotieren in den Gräbern zu hören, wenn man sich vorstellt, wie große Vorgänger Wowereits wie Reuter, Brandt, Albertz über ihren Nachfolger denken müssten…

  3. Grünheid am 3. August 2006 um 20:32 Uhr

    Rainer Hildebrandt starb nach Angaben der Witwe Alexandra Hildebrandt am 09. Januar 2004. Eine Trauerfeier und die Beisetzung der Urne fanden noch nicht statt. Das ist die Angelegenheit der Bestattungspflichtigen, der Witwe.
    Stattdessen ist ein Bild von Rainer Hildebrandt in dem Nachbau des Kontrollhauses am Checkpoint Charlie auf öffentlichen Straßenland zur Schau gestellt. Wie unwirklich und geschichtlich nicht zutreffend!
    Ebenso unwürdig der Streit der Witwe mit Behörden um einen Bestattungsort, der seit Jahrzehnten und für Bestattungen geschlossen ist. Es ist nicht vorstellbar, daß es tatsächlich der letzte Wille von Rainer Hildebrandt gewesen sein soll.
    Ich kenne die familiären Umstände Hildebrandts und kann einschätzen, daß der Senat und andere Vorschläge wegen der Bestattung unterbreitet haben.
    Die Bank, als Eigentümerin der Flächen, hatte auf die Räumung der Holzkreuze, die ursprünglich nur befristet aufgestellt werden sollten, bestanden! Außerdem gibt es kein Gesetz, daß das Aufstellen von Holzkreuzen auf öffentlichem Straßenland bzw. mitten in der Stadt erlaubt und hat m. E. nachhaltig die Alliierten und deren Beschlüsse diskreditiert. Rainer Hildebrandt hätte diesen Aktionen niemals zugestimmt.
    Der damalige CDU-geführte Senat hatte dem Wunsch vieler Menschen entsprochen und die Mauer abbauen lassen. Daraus heute einen Vorwurf abzuleiten, nein.
    Zeitgeschichte und die Geschichte der Menschen wahrnehmbar und zugleich sensibel darzustellen, ist mit dem jetzigen Gedenkkonzept möglich. Die Aufarbeitung von Geschichte und damit verbundene Lebensläufe brauchen Zeit, Verständnis, Geduld, Hartnäckigkeit, Aufklärung, Für- und Miteinander, Gespür für Details und Zulassen von Wahrheiten.
    Heidemarie F. C. Grünheid

  4. Dott. Christian A. J. Gommert am 7. August 2006 um 23:43 Uhr

    Liebe Frau Grünheid,
    offensichtlich antworten Sie mir, was ich mir dann umgekehrt auch herausnehme. Über manches wundere ich mich, aber das kann natürlich auch an mir liegen…
    „Stattdessen“ ist mir zum Beispiel nicht klar, da ja auch sonst historische Persönlichkeiten öffentlich abgebildet werden, obschon sie ordnungsgemäß begraben sind. „Geschichtlich nicht zutreffend” – es wird wohl niemand ein Bild Dr. Hildebrandts im (eben nicht einmal originalen) Checkpoint-Häuschen so deuten, als habe er dort gesessen und kontrolliert. Dass er in unmittelbarer Nachbarschaft des Kontrollpunktes – genauer: der Mauer – etwas Wichtiges aufgebaut hat, das auch nach seinem Tod dazu beiträgt, die Erinnerung wachzuhalten, wird wohl unbestritten sein.
    “Unwirklich” heiße “ebenso” viel wie “unwürdig” – das ist mir nicht klar, was aber auch wiederum daran liegen kann, dass ich seit Jahren selten Deutsch spreche. Eine Urne im Regal sei unwürdig – nun, das finden wir wohl alle, die Frage ist nur, wer die Schuld daran trägt.
    Der seit Jahrzehnten geschlossene Bestattungsort – hier soll eben die behördliche Vorschrift über dem letzten Willen des Verstorbenen stehen. A propos letzter Wille – Sie bringen ja ein neues Element in die Diskussion, indem Sie anzweifeln, es handele es wirklich um den letzten Willen Rainer Hildebrandts. Ich musste nach dem obenstehenden Artikel davon ausgehen, dies sei unstrittig! Wenn Sie über der Öffentlichkeit noch nicht bekannte Informationen verfügen, sollten Sie – finde ich – diese unverzüglich der Öffentlichkeit und den entsprechenden Behörden zur Verfügung stellen! Denn wenn es doch kein Wunsch Dr. Hildebrandts war, sondern nur ein PR-Gag der jungen Witwe ist – nun, dann sieht die ganze Sache natürlich völlig anders aus. Leider haben Sie in Ihrem Beitrag die entsprechenden Quellen nicht angegeben. Es sei “nicht vorstellbar”, schreiben Sie. Ihr (fehlendes) Vorstellungsvermögen kann aber wohl kaum als Beweis für die Unwahrheit der Behauptung Frau Hildebrandts verstanden werden.
    Zurück zum Friedhof – dem Wunsche des Verstorbenen steht also – wie so oft in Deutschland – eine abstrakte Norm entgegen. Was wäre denn nun mit einer Übertretung dieser Norm verbunden? Wem täte das Grab weh? Wem schadete es? Vielleicht, so könnte man einwenden, der Staatsraison, denn da könnte ja jeder kommen und die merkwürdigsten Begräbnisorte verlangen.
    Dafür gäbe es eine Lösung, die diesen Fall eben definitiv zum Einzelfall machte.
    Seit fast 200 Jahren ernennt die Stadt Berlin – selten, unter Diktaturen gern öfter – eine Ehrenbürgerin oder einen Ehrenbürger. In mehreren Fällen – Zille und Marlene waren wohl die bekanntesten – geschah dies ausnahmsweise posthum. Die übrigen Vorteile der Ehrenbürgerschaft – kostenlose BVG-Tickets et c. – kämen zu spät, nicht aber das mit einer Berliner Ehrenbürgerschaft immer verbundene Ehrengrab! Der Senat könnte über seinen Schatten springen – so er diesen noch nicht verkauft hat – und diese Lösung anbieten! Darüber, dass Rainer Hildebrandt die Ehrung verdient hätte, diese auch mit für all die unbekannten Fluchthelfer stehen würde – wobei übrigens auffällt, dass bisher wohl noch keine Berliner Ehrenbürgerschaften im Zusammenhang mit dem Widerstand und mit der friedlichen Revolution und der Demokratisierung in der DDR vergeben wurden, Kandidaten könnten genug einfallen, dächte man nur nach (Mitglieder des Runden Tisches? Frau Bohley? Frau Birthler? Der Dichter der Wunderbaren Jahre? Richard Schröder? Ganz viele andere…) – nun, auch darüber wird es wohl nur bei Politikern Zweifel geben, die solide in der Tradition der pfannkuchengleich mehrfach gewendeten SED – PDS stehen… Und das Problem wäre gelöst, die Stadt Berlin hätte einem ihrer großen Bürger (besser spät als nie) gedankt!
    Spuren der Mauer, die in den letzten Jahren verschwanden, wurden sicherlich nicht vom CDU-Senat abgeräumt und zum Gedenkkonzept lässt sich sicher vieles sagen und nicht nur Positives. Vor allem problematisch ist aber der Plural des Wortes Wahrheit. Wahrheiten in der Mehrzahl hatten wir (genauer, die Generation meiner Eltern, da ich jünger bin als die Mauer) bezüglich der nationalsozialistischen Vergangenheit, gerade weil manche aus der Generation der Betroffenen jahrzehntelang ihre Wahrheit über die der Opfer stellten. Jüngste Stasi-Propaganda lässt Analoges befürchten – seien wir vor dem Hintergrunde der deutsche Geschichte pessimistisch, befürchten wir es und seien wir wachsam. Wahrheiten sind keine Wahrheit.
    Christian A. J. Gommert

  5. Grünheid am 9. August 2006 um 12:17 Uhr

    AUF WUNSCH DER AUTORIN GELÖSCHT

  6. Dott. Christian A. J. Gommert am 11. August 2006 um 00:27 Uhr

    Ist bekannt.
    Natürlich wäre es besser, Rainer Hildebrandt wäre selbst noch da.
    Jedenfalls hat er unschätzbare Verdienste, weil er sich viele Jahrzehnte lang dafür eingesetzt hat, die Erinnerung an die Menschen hinter der Mauer wachzuhalten, während ja viele Westdeutsche in den siebziger und achtziger Jahren nichts mehr über sie wussten oder wissen wollten…
    Eberhard Diepgen – kann, muss einem jedoch nicht sympathisch sein, aber die Abräumungen bei Nacht oder Nebel NACH 2001 können ihm sicherlich nicht angelastet werden…
    Christian A. J. Gommert

  7. Grünheid am 25. September 2006 um 12:52 Uhr

    AUF WUNSCH DER AUTORIN GELÖSCHT

  8. Heidemarie F. C. Grünheid am 9. Januar 2007 um 00:41 Uhr

    AUF WUNSCH DER AUTORIN GELÖSCHT






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